


von Eva Tedesco - Sternchen in der Tabelle hin, juristisches Geplänkel her – Basel ist endlich Meister und feiert eine spontane unspontane Party – mit Champagnerduschen, Gummipokal und gelösten Emotionen.
Nicht nur im ausverkauften Joggeli feierte Basel den ersten Titel-Hattrick in der Geschichte des FCB. Die halbe Stadt war danach auf den Beinen. Tausende Fans haben sich auf dem «Barfi» versammelt und die Basler Innenstadt in eine rotblaue Arena verwandelt. Lange mussten sie ausharren, bis Streller, Huggel und Co. auf dem Balkon des Stadtcasinos zur «spontansten unspontanen Meisterfeier», wie Huggel es sagte, auftauchten.
Altmeister Huggel übernahm dann auch wie schon in den letzten Jahren die Moderation hoch oben über der glückseligen Fan-Gemeinde. Einen frischgebackenen Meister nach dem anderen rief er via Mikrofon vor die Menge. Bewaffnet mit einer gut geschüttelten Champagnerflasche zeigten sich Frei, Shaqiri und Co. auf dem Balkon und liessen sich feiern. Nie war Huggel um einen Spruch verlegen. Als «Zauberzwerg» bezeichnete er Xherdan Shaqiri. Die Menge tobte. «Die Nummer 13, die ab und zu auch ein Tor schiesst», war für Alex Frei gedacht. «Das isch emol e Goal»-Gesänge skandierten den Auftritt des Super-League-Toptorjägers in Anlehnung an sein Traumtor aus rund 25 Metern gegen GC.
«Dr Steini isch e glatte»
Denn Markus Steinhöfer mag Huggel «besonders gut leiden», doch ankündigen musste der Routinier den Defensivmann (auf dem Platz, nicht beim Feiern) nicht gross. Denn «Steini» ist spätestens seit seinem Lattenknaller in der Champions League gegen Manchester United Kult. Die rotblaue Fan-Gemeinde stimmte Steinhöfers Kultsong «Dr Steini isch e Glatte, dr Steini isch e Glatte, dr Steini haut dr Ball and Latte» automatisch an.
In Granit Xhaka fand Huggel einen würdigen Nachfolger für künftige Meister-Moderationen – sofern der Jungspunt nicht dem Ruf der Bundesliga folgt und zu Gladbach wechselt. Xhaka schnappte sich das Mikrofon und übernahm die Rolle des Leadsängers. Wobei man fast gewillt wäre zu sagen, dass Xhaka den Ball zum Glück besser trifft, als die Töne. Aber voller Inbrunst wars trotzdem und vor allem hatte die Menge ihren Spass dran.
Vogel mit Gummi-Pokal und Mühe, sich durchzusetzen
Der Mann des Abends war Heiko Vogel. Als der frischgebackene Meistertrainer den Gummi-Pokal in den Nachthimmel streckte, gerieten die Fans ausser Rand und Band. Der «Barfi« verschwand unter dem Rauch der Pyros und die «Heiko, Heiko»-Rufe wollten nicht enden. Immer wieder setzte Vogel zu seiner Ansprache an. Immer verhallten seine Worte ungehört im nimmer endendem Jubel der Fans. Der Meistertrainer musste einsehen, dass es einfacher ist, eine Mannschaft von Fussball-Millionären zu disziplinieren, als eine feiernde Anhängerschaft. Doch dann setzte sich der Deutsche doch durch und bedankte sich – sehr emotional – beim «12. Mann».
Neben dem Dank für die Treue gab der Cheftrainer Versprechen ab, und kündigte die Titelverteidigung an und noch vorher den Cupsieg am 16. Mai gegen den FC Luzern. «Und ich verspreche, dass ich nicht zu Hamburg wechseln werde», rief Vogel zum Abschluss in die Menge und von da an gab es für die tausenden Fans kein Halten mehr.
Die eigentliche Party steht noch aus
Gegen Mitternacht verschob sich der rotblaue Tross aus dem Pub «Papa Joe’s» in den Klub «Acqua», wo es Degen, Steinhöfer, Kovac und Co. – alles total spontan unspontan natürlich - erst richtig rocken liessen. Dabei steht die eigentliche Meisterfete noch aus: Die steigt am 23. Mai nach dem letzten Spieltag. Und dann ist auch der richtige Pokal dabei und keine Gummi-Attrappe. Aber was ist schon normal in dieser komischen Super-League-Saison.