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23.04.2012 | NZZ
Erdachte Rivalen
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Der FC Basel will nach dem 3:0-Sieg in Sitten noch nicht Meister sein

Markus Steinhöfer und zweimal Alex Frei treffen für die Basler, die sich noch nicht als Gewinner des Championats sehen. Die Zurückhaltung hat freilich ihren Zweck. Noch sind nicht alle juristischen Scharmützel rechtskräftig abgeschlossen.

Samuel Burgener, Sitten

Wenn man nicht wüsste, dass die Liga den Kalender im Schweizer Spitzenfussball vorgibt, hätte man annehmen müssen, ein Comedian habe diesen Termin verantwortet: Es war eine Groteske fussballerischer Gattung. Und der Ort hätte nicht besser passen können.

Just im Wallis, in diesem von Bergen umarmten, engen Tal, wo die juristischen Querelen rund um den FC Sion ihren Ursprung haben, gewann der FC Basel am Sonntag 3:0 und wäre nach aktueller Konstellation Schweizer Meister. Weil aber offen ist, ob das Internationale Sportschiedsgericht den zweitplacierten FC Luzern in Bälde mit zwei Zusatzpunkten beschenkt und es zumindest theoretisch noch möglich ist, dass der FC Sion die 36 vom Verband abgezogenen Punkte zurückerhält, wollen sich die Basler nicht in Sicherheit wähnen.

Und so taten sie nach dem Match, als wäre nichts gewesen. Als hätten sie eben nicht mehr als einen kleinen Schritt in die richtige Richtung getan. Der Trainer Heiko Vogel liess sich zwar beglückwünschen, aber besonders empfänglich für Lob war er nicht. Er zeigte keine Gefühlsregungen und verschwand schnell in den Katakomben. Die Equipe bedankte sich zu diesem Zeitpunkt bei ihren Fans. Als diese jedoch ein Meister-Lied anstimmten, schienen die Spieler verwirrt. Als ob sie nicht wussten, ob sie mitsingen sollen.

Vogel sagte später, er betrachte die Meisterschaft rein sportlich und sehe deshalb die Walliser noch immer als hartnäckigsten Rivalen. Der FCB werde sich Meister nennen, wenn er in der Tabelle so weit vorne liege, dass ihn juristische Eventualitäten nicht mehr tangieren würden. Das wäre bei einem Sieg im Heimspiel gegen Lausanne am Sonntag der Fall. Freilich hat die Zurückhaltung der Basler ihren Zweck.

Nach einem Heimspiel lässt sich eine Meisterfeier besser inszenieren als nach einem Auswärtsspiel an einem Sonntagabend. Zudem ist Vogel schlau genug, ein My Spannung zu erfinden. Die frühe Entscheidung in der Liga hat nicht nur Vorteile. Vogel muss den Wettbewerbsgeist im Team bis zum Cup-Final am 16. Mai aufrechterhalten. Er weiss, dass hier Gefahr lauert. Da tut jeder Ernstkampf gut. Selbst, wenn er nur erdacht ist.

Sorgen sollte sich Vogel aber nicht machen. Sein Team zeigte in Sitten, weshalb es seit 22 Spielen unbesiegt ist. Es spulte sein Pensum mit unheimlich anmutender Selbstsicherheit ab. Diese Coolness verleitete nach der ersten Hälfte einige Zuschauer zum Trugschluss, die Spieler seien nicht sonderlich motiviert. Doch als die Walliser Verteidiger Mängel in der Konzentration aufkommen liessen, machten der Stürmer Alex Frei mit zwei Goals sowie der Verteidiger Markus Steinhöfer mit einem Treffer kurzen Prozess.

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