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24.02.2012 | NZZ
Gallier ohne Krücken
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Kaum genesen, ist der Basler Fussballer Valentin Stocker kaum mehr zu stoppen
Der Schweizer Nationalcoach Hitzfeld sagt, Stocker gehöre zu den torgefährlichsten linken Mittelfeldspielern Europas. Es hört sich an, als zähle der FC Basel wie selbstverständlich zur Elite.

Benjamin Steffen, Basel

Er fand es gar nicht lustig. Valentin Stocker stand mitten in Luzern, als ihm einige Männer begegneten und johlend riefen: «Hey, Stocker, bist du verletzt.» Stocker lächelte nett zurück, aber murmelte vor sich hin: «Nein, ich laufe aus Spass mit Krücken durch die Gegend.» Das war im Mai 2011. Stocker hatte sich kurz zuvor das rechte Kreuzband gerissen, Teile der Rehabilitation absolvierte er in der Heimat, weil ihm die stete Nähe zu den Teamkollegen des FC Basel wohl buchstäblich zu nahe gegangen wäre. Denn er war einer von ihnen, gewiss. Aber eben doch nicht so richtig.

Neun Monate später hat alles seine Richtigkeit. Stocker spielt zwar noch nicht 90 Minuten lang, aber wenn er spielt – dann: richtig. In den letzten Tagen wechselte ihn der FCB-Trainer Heiko Vogel zweimal ein, zweimal schoss Stocker wichtige Tore: zuerst das 2:2 gegen YB, am Mittwoch im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League das 1:0-Siegtor gegen den FC Bayern. Tags darauf erliess der Nationalcoach Ottmar Hitzfeld das Aufgebot für den Test gegen Argentinien; Stocker, den linken Mittelfeldspieler, nominierte er gleich wieder, und Hitzfeld sagte: «Er gehört zu den torgefährlichsten Mittelfeldspielern auf dieser Position in Europa.» Hitzfeld, der Trainer von Welt, sagte wirklich «in Europa» – was unterstreicht, wie hoch Basel derzeit schweben darf. Und wenn Hitzfeld so ein Lob ausspricht, fühlt sich etwas selbstverständlich an, das es gar nicht ist: die FCB-Mitgliedschaft in Europas Elite.

Basler Welt, verkehrte Welt. Stocker darf mitträumen von den Viertelfinals, so richtig, weil er nicht mehr an Krücken gehen und nett lächeln muss, wenn ihm gar nicht danach ist. Der 22-Jährige darf strahlen und offen reden – oder zumindest ziemlich offen, weil er bald gelernt hat, dass ein Fussballer nicht immer bis ins letzte Detail zu sagen braucht, was er wirklich denkt. Nachdem Stocker schneller und stärker zurückgekommen ist, als seinen Gegnern lieb sein kann, sagt er: «Ich bin in erster Linie froh, dass es so weitergeht, wie es aufgehört hat. Ich habe das Gefühl, dass mir geblieben ist, was ich schon immer hatte.» Was auch bedeutet: Wenn er nichts verlernt hat, wird er bald wieder zum Objekt ausländischer Begierden; und wird er bald nicht mehr gefragt, ob er verletzt sei, sondern ob er Basel nun verlasse, wann, wohin, warum. Spekulationen um einen Abgang gibt es fast so lange, wie es den Super-League-Fussballer Stocker gibt. Bisher ging er nie. Und wenn er eines Tages doch gehen wird, wird der FCB auch mit ihm einen Batzen verdienen, weil die Chefs den Vertrag mit ihm bis 2016 verlängerten – im Dezember 2011, als sie noch gar nicht wussten, wie gut ihm das Comeback gelingen würde.

Doch sie zeigten ihm: Du gehörst zu uns, so richtig. Und seit Mittwoch noch etwas richtiger. Er sagt: «Es kommt mir ein wenig vor wie bei den Galliern, bei Asterix und Obelix, die sich im grossen Europa zu behaupten versuchen.» Und er kämpft so richtig mit bei den Kleinen. Denn er ist ein Gallier ohne Krücken.

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