13.01.2012 | Interview: Remo Meister
Roger Eglin: „Ich flüchtete mit Cantaluppi und Ceccaroni in die Pizzeria“

Roger Eglin ist Materialverantwortlicher beim FC Basel 1893 – und das seit bald 13 Jahren. Oft ist der 42-jährige Baselbieter der erste, der am Morgen in den Katakomben des St. Jakob-Park eintrifft, um das Material für das Training zu richten und wenn immer möglich individuelle Bedürfnisse der Spieler zu erfüllen. Auch im Trainingslager in Marbella sind Roger Eglins Dienste täglich gefragt – schliesslich wollen die FCB-Profis in frisch gewaschenen Kleidern und mit aufgepumpten Bällen trainieren. Im Interview mit fcb.ch spricht der Vater eines Sohnes über seinen Tagesablauf, seine bisherigen „Karriere“-Highlights und über sein etwas missglücktes, erstes Trainingslager 1999 auf Martinique.

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Roger Eglin, wie sieht ein durchschnittlicher Arbeitstag des FCB-Materialverantwortlichen aus?
Roger Eglin: An einem Heimspiel-Tag etwa bin ich bereits am frühen Morgen im Stadion. Ich pumpe die Bälle auf, mache das Trikot, die Hosen und die Stulpen parat, wechsle Stollen aus, kümmere mich um die Getränke, gehe die Früchte und etwas zu Trinken für die Schiedsrichter kaufen und so weiter. Oft kommen etwa um 10 Uhr morgens die Spieler ins Stadion und machen in der Umgebung noch einen Spaziergang. Wenn da der eine oder andere noch einen Wunsch hat – eine dicke Jacke, eine Kappe, Handschuhe oder sonst etwas – will ich da sein. Danach gehen sie nochmals zurück ins Hotel, essen gemeinsam, ruhen sich aus und kommen vor dem Spiel wieder ins Stadion.

Was tust Du während dem Spiel?
Da sitze ich auf der Bank und gebe hauptsächlich die Getränke aufs Spielfeld. Nach dem Abpfiff versorge ich das ganze Material und richte es für den nächsten Tag. Ich bringe die Wäsche in die Waschküche, wo sie von Christine Castioni und Silvia Eymann gewaschen wird. In der Regel dauert es ab dem Schlusspfiff noch zirka eineinhalb bis zwei Stunden, bis ich fertig bin.

Wie ist die Arbeit hier im Trainingslager – genau gleich wie zuhause?
Im Prinzip schon. Auch hier stehe ich relativ früh auf, pumpe die Bälle mit der mitgebrachten, elektrischen Pumpe, richte die Getränke und so weiter. Meistens bin ich der erste, der auf das Trainingsgelände fährt und dort das Material bereit macht. Und was hier aktuell zum Beispiel reibungslos läuft, ist die Wäscherei in unserem Hotel – das wird mir abgenommen. Zweimal am Tag wird die Wäsche abgeholt und dann wieder gebracht. Jeder Spieler hat drei Sets an Trainingskleidern, so klappt das wunderbar.


Roger Eglin ist Herr über diverse verschiedene Trainings-Materialien, wie man sieht...

Wie kam das ganze Material überhaupt nach Südspanien?
Das meiste kann ich jeweils unserem Bus-Chauffeur Kurt Odermatt mitgeben, der bereits ein paar Tage früher mit dem FCB-Bus losfährt. Es ist nicht nur toll, dass wir unseren eigenen Bus dabei haben – sondern es macht auch Sinn. Wenn wir all das Material mit ins Flugzeug nehmen würden, müssten wir eine Unmenge an Geld für das Übergewicht bezahlen.

Wer entscheidet, was für Material grundsätzlich benötigt wird?
Es gibt einen Grundstock, den wir einfach haben und der immer gebraucht wird. Dann hat natürlich auch jeder Trainer noch den einen oder anderen individuellen Wunsch. In einem solchen Fall – oder auch wenn Material kaputt geht oder verbraucht ist – wird es von uns nachbestellt. Insgesamt sind es vielleicht 15 bis 20 verschiedene Gegenstände an Material, die für das Training gebraucht werden.

Gibt es Sonderwünsche von Spielern, die Du berücksichtigen musst?
Jeder hat so seine eigenen Ideen darüber, ob er mit kurzen Stulpen, langen Stulpen oder mit Tennissocken trainieren möchte, einige wollen noch ein Unterleibchen oder Radlerhosen. Diese Wünsche sind teilweise in der Wäscherei deponiert, so dass das entsprechende Material für den jeweiligen Spieler bereitgelegt werden kann. Für die Tennissocken, Tights und Unterleibchen und solche Dinge gibt es Regale, aus denen sich die Spieler bedienen können.


Immer wieder tauscht sich Eglin auch mit den Spielern aus, wie hier mit Philipp Degen.

Wie bist Du überhaupt zum Job des FCB-Materialverantwortlichen gekommen?
Ich hatte einen guten Kollegen, Sven Knöpfli, der damals beim FCB ehrenamtlich in gewissen Bereichen tätig war. Gemeinsam gingen wir früher, auch schon zu NLB-Zeiten, an alle Spiele – auch auswärts. Als 1999 beim FCB die Stelle des Materialwarts frei wurde, dachte er sofort an mich und schlug mich vor. Ich arbeitete zu dieser Zeit als Landschaftsgärtner und hatte jeden Tag schlimme Rückenschmerzen – war also sehr offen für etwas Neues. Ich hätte eigentlich sofort anfangen sollen, wollte aber zuerst meinen Vertrag sauber erfüllen und die Kündigungsfrist von drei Monaten einhalten. Zunächst kam das nicht gut an – und dann klappte es doch. Es war Marcel Hottiger, der mich damals einstellte.

Dann hast du 1999 zur gleichen Zeit wie Christian Gross beim FCB begonnen?
Zuerst war Guy Mathez noch ein halbes Jahr Trainer, und danach kam Christian Gross.

Gibt es grosse Unterschiede zwischen Deiner Arbeit von damals und jener von heute?
Und ob! Alles ist im Verlauf der Jahre viel professioneller geworden bis heute, da es fast schon perfekt organisiert ist. Am Anfang war der ganze Bereich ein riesiges Chaos. Ich erinnere mich an mein erstes Trainingslager auf Martinique in der Karibik. Es hat schlichtweg nichts geklappt. Irgendwann hatte ich plötzlich keine Wäsche mehr, die Busse um ins Training zu fahren kamen nicht wie bestellt und das Essen war schrecklich. Es gab jeden Tag dasselbe: Poulet mit irgendeinem komischen Gemüse! Das führte dazu, dass ich jeden zweiten Abend mit Mario Cantaluppi und Massimo Ceccaroni in eine Pizzeria flüchtete… (lacht). Damals gab es halt noch keinen Gusti Nussbaumer, der sich wie heute um die ganze Organisation des Trainingslagers kümmert. Aber in der Folge wurde es dann schnell besser.

Was fallen Dir – nebst diesem etwas holprigen Start – spontan für Höhepunkte ein, wenn Du an Deine 13 Jahre beim FCB denkst?
Als erstes kommt mir das Spiel gegen Celtic Glasgow in den Sinn, das 2002 im St. Jakob-Park dazu geführt hat, dass wir erstmals die Champions League erreichten. Bis heute war das für mich – gemeinsam mit den Partien gegen Liverpool und im vergangenen Dezember gegen Manchester United – das grösste Spiel, das ich miterleben konnte.


Mittlerweile ein sehr wichtiger Trainingsbestandteil beim FCB: Die Getränke.

Was bereitet Dir sonst noch besondere Freude an Deinem Beruf?
Dass ich mein Hobby – den Fussball – zu meinem Job machen konnte. Ausserdem gefällt es mir, viel draussen zu sein. Ich war schon vorher allwettertauglich, das kommt mir natürlich auch jetzt sehr entgegen. Ich hätte wohl Mühe damit, den ganzen Tag in einem Büro zu sitzen. Spannend ist auch, die vielen verschiedenen Stadien in Europa kennenzulernen. Obwohl ich sagen muss: Vor allem von innen gefällt mir der St. Jakob-Park immer noch am besten.

Du hast beim FCB viel mit Wäscherei und dergleichen zu tun. Hilfst Du zu Hause in diesem Bereich auch noch mit?
(Lacht) Nein, das macht zum Glück meine Frau.

Und was machst Du, wenn der FCB keine Spiele oder kein Training hat und auch Du freie Tage geniessen kannst?
Dann verbringe ich Zeit mit meiner Familie. Und zudem widme ich mich gerne meiner riesigen Briefmarken- und Münzensammlung.


Das meiste Material wurde bereits bereits mit dem FCB-Car nach Marbella chauffiert.


Nach den Trainings geht es für Roger Eglin jeweils ans grosse Aufräumen.

Weitere Bilder aus dem Trainingslager:

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(Fotos: Hans-Jürgen Siegert)